Fakten zum Hundequäler aus Betzdorf

Seit einigen Tagen kursiert in sozialen Netzwerken ein Video von einem jungen Mann aus Betzdorf (Rheinland Pfalz), der einen Welpen grob misshandelt. Er schlägt dem Tier auf die Schnauze und ins Gesicht, droht dabei sogar "den Bastard zu töten".
Der 20-jährige Täter H. hat sich dabei selbst gefilmt und laut verschiedener Aussagen angeblich den Film auch selbst auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht.

Das grausame Video hat sich anschließend rasend schnell in den sozialen Netzwerken verbreitet und es gab zahlreiche private Fahndungsaufrufe.
Aktiven Nutzern der Netzwerke konnte es nicht entgehen, die Neuigkeiten waren voll mit dem geteilten Video und Diskussionen darum.
Aus ethischen Gründen werden wir das Video in diesem Artikel deshalb nicht auch noch verlinken.

 

Über den Täter ist sehr rasant ein heftiger Shitstorm hereingebrochen.
Nicht nur, dass das Video tausendfach geteilt wurde, unzählige Gruppen und "Fanseiten" auf Facebook wurden gegründet, in denen eine harte Strafe für den Täter gefordert wird, andere rufen öffentlich zur Lynchjustiz auf, eine Gruppe trägt sogar den Titel "Todesstrafe für XX-XX XXXX".
Laut verschiedener Quellen hat die Polizei dem Täter deshalb geraten abzutauchen um sich selbst zu schützen, das Wohnhaus steht inzwischen unter Polizeischutz.

 

Ermittlungen laufen bereits

Der Fall ist dabei schon mehrere Wochen der Polizei bekannt, die Ermittlungen laufen und der Hund ist in Sicherheit.
Am 17. Februar 2014 hat die Ex-Freundin des Täters über den Messenger WhatsApp das Video erhalten, auf dem zu sehen ist wie H. den zehn Wochen alten Terrier-Welpen misshandelt.
Er behauptete darin den Hund bereits seit 30 Minuten zu quälen du droht ihn zu töten.
Offenbar hatte der Täter die Trennung zwischen ihm und seiner Freundin noch nicht verkraftet und wollte ihr mit dem brutalen Video eins auswischen.

Die Empfängerin des Videos informierte direkt die zuständige Polizeibehörde, die den Hund noch am selben Tag in ihre Obhut nahm und an einen Tierschutzverein vermittelte.
Der Hund wurde unverzüglich tierärztlich untersucht, der Tierarzt musste eine Gehirnerschütterung und Prellungen feststellen.

Zudem wurde der Täter auf Anordnung für einige Tage in eine psychiatrische Einrichtung eingeliefert und behandelt, wurde danach aber entlassen. Gegen H. wurde ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen. Weitere Ermittlungen laufen, der Täter wird sich einem Gerichtsverfahren stellen müssen.

 

 

Profit mit der Hetzjagd

Die Wut der Menschen ist auch für die Polizei verständlich, doch sollte jeder bedenken, dass Aufrufe zur Tötung oder Körperverletzung eine Straftat darstellen und auch konsequent verfolgt werden.
Die Hetzjagd geht jedoch unverblümt weiter. User sprechen Beschimpfungen und Morddrohungen aus, die Kontaktdaten des Täters finden sich ohne Probleme in den sozialen Netzwerken und vielen Diskussionsforen im Internet.

Inzwischen mischen auch Prominente mit.
Musiker stellen sich auf die Seite der empörten Tierschützer und promoten so nebenbei ihre Werken, aber auch Politiker fordern öffentlich eine harte Strafe für den Täter und sammeln so Popularität, wenn auch zunächst nur in Form von „Likes“ in sozialen Netzwerken.

Auch wittern inzwischen findige Geschäftemacher eine Chance mit diesem Fall schnell Geld zu verdienen.
Es werden falsche Tatsachen und Fotos verbreitet um Aufmerksamkeit zu erlangen.
So wurde ein Bild samt Artikel veröffentlicht (angeblich von der DPA stammend), auf dem der vermeintliche Täter bandagiert und an Schläuchen angehängt in einem Krankenbett auf der Intensivstation liegt. Er soll brutal zusammengeschlagen worden sein und nun im künstlichen Koma liegen, ein Schädelhirn-Trauma und bösartige Frakturen erlitten haben.

Dieses Foto zeigt aber nicht den Täter, sondern ist nachweislich von einer Nachrichtenagentur übernommen worden, dies soll sogar widerrechtlich geschehen sein.
Mit solchen Falschmeldungen kann es binnen weniger Stunden zu vielen tausend Klicks auf den Seiten kommen, wie es auch hier der Fall war. Die Popularität wird also extrem gesteigert.
Inzwischen ist diese Seite - und auch viele andere - nicht mehr zu finden, wohl ist der Erstellern klar geworden, dass dieses Handeln auch Konsequenzen nach sich ziehen kann.

 

Besonnenheit und Konsequenzen für die Allgemeinheit

Die Wut und Empörung über den Täter ist uneingeschränkt verständlich, es bleibt zu hoffen, dass unsere Rechtsprechung hier gerecht urteilen wird.
Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der Fall bereits bei der Polizei bekannt ist und ermittelt wird. Der Hund ist bereits kurz nach bekanntwerden der Ereignisse in Sicherheit gebracht worden und der Täter wird für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werden.

Auch sollte bedacht werden, dass man selbst schnell das Ziel von Ermittlungen werden kann, wenn man sich an solch einer Hetze beteiligt, Drohungen ausspricht und zu Gewalt gegen den Täter aufruft.

 

  • Privaten Personenfahndungen sind verboten!

    Öffentliche Personenfahndungen sind Strafverfolgungsbehörden vorbehalten, private Fahndungsaufrufe verstoßen gegen das Gesetz!
    Wenn also eine Privatperson öffentlich nach einem Straftäter sucht bzw. aufruft Hinweise zu erteilen, kann diese Person strafrechtlich belangt werden!
  • Persönlichkeitsrecht muss beachtet werden!

    Auch das Persönlichkeitsrecht eines Täters darf nicht verletzt werden.
    Wer in diesem Fall also z.B. die Adresse des Täters veröffentlicht, kann belangt werden, zivilrechtlich und unter Umständen auch strafrechtlich!
    Dies ist auch für die Inhaber der Seiten und Gruppen von Bedeutung: selbst wenn nicht der Inhaber selbst diese Dinge veröffentlicht sondern ein User der der Seite oder Gruppe angehört, kann eine Mittäterschaft in Betracht gezogen werden.
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    Weiterhin sollte nicht vergessen werden, welche Konsequenzen dieser Shitstorm nach sicht zieht – Konsequenzen, die uns alle angehen!
    Das Wohnhaus des Täters steht inzwischen unter Polizeischutz, die zuständige Polizeibehörder wird überflutet von Anrufen und Emails. Um es auf dem Wer bezahlt diesen ganzen Aufwand? Der Steuerzahler, also wir! In Anbetracht der Tatsache, dass dieser Fall schon längst bei den Behörden lag als dieses Video bekannt wurde, eine unnötige Entwicklung.

    Die größte Strafe bekommt der Täter wohl aktuell zu spüren, binnen weniger Stunden wurde er zur wohl meist gehassten Person in Deutschland. Die Konsequenzen wird er sicherlich noch lange ertragen müssen, es wird bestimmt einige Zeit dauern bis er nich mehr befürchten muss "Rächern" in die Hände zu fallen.

    Einige wenige Personen die sich auch an der Hetzjagd beteiligt haben, kommen inzwischen zum besonnenen Denken zurück und befürchten gar die Strafe für H. könnte geringer ausfallen, da der Shitstorm eine große psychische Belastung für den Täter darstellt und die Gerichte milder urteilen könnten. Dies ist natürlich nur eine vage Vermutung, aber es zeigt, dass langsam einige wieder klarer nachdenken, wenn die erste Wut und Empörung verflogen ist.

     

    Positives Umdenken?

    Dieser Fall zeigt eine unglaubliche und völlig unbegründete Gewalt gegen ein hilfloses Tier. Das Tier leidet sichtbar und auch hörbar auf dem Video.
    Die Empörung der Gesellschaft ist groß, immer dann wenn solch ein Leid unmittelbar vor Augen steht. Dabei passieren solche Dinge täglich, überall – nur eben still und im Hintergrund ohne diesen enormen öffentlichen Rummel.

    Einige Tierschützer und Kritiker dieses Shitstorms werden in dem Fall laut und wünschen sich ein grundsätzliches Umdenken in der Gesellschaft.
    Zum Tierschutz gehöre nämlich nicht nur, Tiere vor solchen Gewaltattacken zu schützen, sondern sich auch um die Herkunft der tierischen Produkte, die täglich auf unserem Speiseplan stehen, Gedanken zu machen. Das günstige Fleisch, das jeden Tag tonnenweise in den Kühltheken der Discounter liegt, stammt sicherlich nicht aus solcher Tierzüchtung wie wir alle es gerne hätten. Massentierhaltung unter niedrigsten Bedingungen machen nämlich diese Preise erst möglich. Hühnereier, von denen das Stück für keine 10 Cent im Supermarkt zu haben ist – können diese Hühner tatsächlich glücklich leben?

    Dies ist natürlich keinerlei Rechtfertigung für das Verhalten des Täters. Jedoch sollten alle, die in solchen Fällen laut mitschreien, nicht vergessen darüber nachzudenken, wie viele Tiere für unseren Wohlstand leiden müssen.